Im X’ite Fighting in Trittau trainieren auch deutsche Meister wie die Reinbeker Lutz und Andrea Burmester sowie ihr Sohn Kevin.

Trittau. Die Muskeln schmerzen, der Schweiß tropft unablässig auf die Matte. Ist es mittlerweile die 25. oder die 26. Liegestütze, egal. “Und jetzt noch zehn, schön langsam.” Kickboxtrainer Lutz Burmester mag man irgendwie nicht widersprechen. “Komm, komm, noch acht.” Die letzten Sekunden des Trainings verlaufen wie in Zeitlupe. Endlich die Erlösung: “Danke, ab unter die Dusche.” Seit September ist X’ite-Fighting in Trittau die neue Anlaufstelle für Kampfsportler und Anhänger von Fitnesstraining. “Kick- und Thaiboxen sind die effektivsten Kampfsportarten, der beste Full-Body-Workout”, sagt Thomas Türk, 35, Trainer und Erster Vorsitzender des Vereins mit mittlerweile über 100 Mitgliedern.

Die Reinbeker Kick- und Thaiboxtrainer Lutz Burmester, 47, und seine Frau Andrea, 35, wechselten vergangenes Jahr vom Gym Kwan aus Hamburg nach Trittau, man kennt sich in der Szene. Im Schlepptau Sohn Kevin Eiberg. Der in Glinde wohnende angehende Abiturient ist amtierender Deutscher Meister im Thaiboxen gemäß World Kickboxing Network (WKN) in der Klasse bis 64,4 Kilogramm. “In ihm steckt unheimlich viel Potenzial. Wie er im Ring seine Gegner stellt und beherrscht, ist schon enorm für einen Neunzehnjährigen”, sagt Lutz Burmester. Den väterlichen Stolz kann er nicht ganz verbergen. Er selbst stand bei über 100 Kämpfen im Ring, gewann 1991 die Europameisterschaft im Vollkontakt-Kickboxen. “Vollkontaktsport hat mich schon immer fasziniert, auch wenn es dabei schon einmal härter zur Sache geht”, sagt der Kampfsportler.
Die Motivation holt er sich seit nunmehr 35 Jahren aus der Liebe zum Sport. “Sportliche Erfolge sind meine Droge”, sagt der Reinbeker. Seine Frau Andrea weiß genau wovon er spricht. Ihr Mann trainierte sie bis zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft vor zwei Jahren in der Klasse bis 60 Kilogramm des WKN. Kurz danach schmiss Lutz Burmester das Handtuch: “Andrea ist technisch sehr stark, aber zu lieb für den Sport. Mir blutete immer wieder das Herz, wenn ich meine Frau kämpfen sah.” Harte Schale, weicher Kern – es scheint so bei dem Kampfsporttrainer. “Auch wenn ich mit Glatze und Tattoos auf den ersten Blick nicht so aussehe, in Wirklichkeit bin ich ein ganz Netter.” Irgendwie klingt es glaubhaft.
Neben Kevin Eiberg ist Meryem Uslu, 25, das sportliche Aushängeschild von X’ite Fighting. Die mehrfache Deutsche Meisterin und amtierende Europameisterin der international Phetjan Thaiboxing Association stand vor zwei Wochen in England in ihrem ersten Weltmeisterschaftskampf im Thaiboxen in der Klasse bis 56,7 Kilogramm im Ring. Ihre Gegnerin war nicht nur wesentlich erfahrener, sondern auch gut einen Kopf größer. Uslu ging über die volle Distanz, verlor knapp nach Punkten. Die 25-jährige gebürtige Türkin, die in Hamburg internationales Management studiert, hat ihrem Sport einiges zu verdanken. “Früher wurde ich recht schnell aggressiv. Durch das Thaiboxen bin ich ruhiger und ausgeglichener geworden.”
“Train hard, feel good” (trainiere hart, fühl dich gut) lautet das Motto. Uslu und Eiberg trainieren sechsmal pro Woche, abwechselnd im X’ite Fighting oder im Gym Kwan. Schlag- und Fußtechniken müssen perfektioniert werden, Angriffs- und Verteidigungskombinationen sollen in Fleisch und Blut übergehen.
Kampfsport bedeutet natürlich nicht nur Leistungssport. “Gut 20 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche”, sagt Türk. Eines ist dem 35-Jährigen besonders wichtig: “Wir wollen keine Schläger oder Türsteher ausbilden. Wenn einer meint mit aggressivem Verhalten weiterzukommen, empfehlen wir ihm nachhaltig den Besuch einer anderen Sportschule.”

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